Der Wermut, Artemisia absinthium, ist bekannt durch seinen bitteren Geschmack und vor allem als Zutat der weltbekannten Spirituose Absinth ein Begriff. Doch auch seine Heilwirkung wurde schon früh erforscht. Im Altertum wurde Wermut vor allem bei Magenbeschwerden verordnet.

Ein Aufguss, der aus zwei Teelöffeln Wermut und einer Tasse Wasser hergestellt wird, kann bei Darmkoliken, zur Anregung des Appetits, zur Unterstützung der Magensäfte, Verdauungssäfte und gegen Blähungen helfen – wie der bekannte Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle niederschrieb: „Ist einer grün wie ein Laubfrosch, mager wie eine Pappel, nimmt täglich ab an Gewicht und Humor und wirft keinen Schatten mehr, der probiere es mit einem Teelöffel voll Wermuttee als zwei Stunden“. Mystifiziert wurde das Kraut jedoch erst durch Hildegard von Bingen. Die heilkundige Nonne aus Rheinland-Pfalz empfahl Räucherungen mit Wermutkraut gegen unheilbringende Hexen und Dämonen. Aber auch gegen Leber- und Nierenbeschwerden setzte sie Wermut als Mittel zur Linderung von Beschwerden ein.

Wie man Wermut erkennt

Die ursprüngliche Heimat von Wermut liegt wahrscheinlich in Sibirien, wo er sich über Ost- und Südeuropa verbreitet hat. Anzufinden ist Wermut meist in Ebenen, vereinzelt auch in Höhenlagen. In Vorgebirgen kommt Wermut sogar bis in die subalpine Stufe vor. Je nach Standort wird die Pflanze zwischen 40 und 100 cm hoch. Die gelblich-weißen, gerieften Stängel sind flaumig behaart und auch die gestielten Blätter weisen eine üppige Behaarung auf. Sie sind in stumpfe schmale Lappen geschnitten und an der Oberseite graugrün gefärbt.

Wirkung und Anwendung

Neben dem Enzian weist Wermut europaweit die stärkste Bitterkraft auf. Seine Inhaltsstoffe ätherisches Öl, Bitterstoffe (Absinthin), Harz und Gerbstoffe verleihen ihm seine gesundheitsfördernde Wirkung. Eingesetzt wird es bei Magen- sowie Leber- und Gallenbeschwerden. Wissenschaftlich belegt ist die Unterstützung bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden und Dyskinesien der Gallenwege.

Achtsamer Umgang: Wermut sollte nicht bei Magen- und Darmgeschwüren angewendet werden. Die maximale Anwendungsdauer liegt bei vier Wochen im Jahr, da es ansonsten zu Nebenwirkungen kommen kann. Auch während der Schwangerschaft sollte man auf Wermut verzichten.

Wermut in der Küche

Der würzig-herbe und ausgesprochen bittere Geschmack ist streng wie eigenwillig und eignet sich fast ausschließlich nur für deftige Gerichte. Wermut passt gut zu fettreichen Fleischspeisen, wird aber aufgrund der intensiven Würzkraft nur sehr sparsam eingesetzt.

Rezept Wermutwein

Zutaten: Eine Handvoll Wermutkraut, Kümmel, Anissamen und eine Zimtstange zum Verfeinern.

Zubereitung: Alle Zutaten zerkleinern und in ein verschraubbares Glas füllen. Anschließend Weißwein darübergießen und drei Wochen stehen lassen, abseihen und in eine dunkle Flasche umfüllen. Wermut sollte vor dem Essen eingenommen werden. Dosierung: 1 Teelöffel über einen Zeitraum von max. 4 Wochen.