Die Taubnessel, Lamium, hat im Gegensatz zu ihrer Zwillingsschwester, der Brennnessel, keine Brennhaare auf ihren Blättern. Sie zu pflücken, ist somit unbedenklich und verursacht der Haut keine Schmerzen. Ihren Gattungsnamen Lamium, der sich vom griechischen Wort Lamos ableitet, verdankt die Pflanze ihrer Blüte, die an einen kleinen, weit aufgerissenen Schlund erinnert. Die Bienen scheint es nicht zu stören: Die Taubnessel zählt zu ihren Lieblingsnahrungsquellen.

Merkmale und Standort

Die Taubnessel zählt zur Familie der Lippenblütler. Ihre bekanntesten Vertreter sind die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum), die Weiße Taubnessel (Lamium album), die Riesen-Taubnessel (Lamium orvala) und die Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon). Letzterer schrieb man eine besondere Heilkraft zu. Obwohl die Taubnessel der Brennnessel stark ähnelt, sind die beiden Pflanzen nicht verwandt. Die mehrjährige und ausdauernd krautige Taubnessel erreicht unter optimalen Bedingungen eine Wuchshöhe von bis zu einem halben Meter. Im Boden entwickelt sie einen kriechenden, verästelten, meist dunkelbraunen Wurzelstock, der ihr in den Wintermonaten als Überdauerungsorgan dient. Am vierkantigen Stängel sind die rund 5 cm langen Pflanzenblätter jeweils gegenständig positioniert.

Anwendung und Wirkung

Die Taubnessel ist reich an Schleimstoffen, Saponinen, ätherischen Ölen und Gerbstoffen. Diese Inhaltsstoffe umhüllen gereizte Schleimhäute. Der aus Blüten und Blättern gewonnene Tee wird in der Naturheilkunde bei Entzündungen der Atemorgane eingesetzt. Dazu werden besagte Pflanzenteile gesammelt und an einem schattigen Platz schonend getrocknet. Von der milden Wirkung der Blüten profitieren auch die Verdauungsorgane – die Taubnessel kann somit auch bei Entzündungen von Magen und Darm eingesetzt werden. Als Bad oder Umschlag lindert das Heilkraut Bauch- und Unterleibskrämpfe sowie Juckreiz und Schwellungen. Die äußerliche Anwendung unterstützt auch die Heilung von verletzter Haut, kleinen Wunden, Entzündungen und Sonnenbrand.

Tipp: Kräuter-Badewasser

Taubnesselsud lindert Ausfluss und Entzündungen im Genital- und Intimbereich. Die Zubereitung ist einfach: Fünf Gramm Taubnesselblüten in einen halben Liter kochendes Wasser geben und zehn Minuten lang ziehen lassen. Anschließend die Blüten absieben und den gewonnenen Sud dem Badewasser zugeben.

Verwendung in der Küche

Taubnesseln zählen zu den essbaren Wildkräutern. Ihre Blätter haben einen nussigen Geschmack und peppen Salate, Topfen, Quark und gedünstetes Gemüse auf. Tipp: Blätter sollten noch vor der ersten Blüte gesammelt werden.