Der Spitzwegerich, Plantago lanceolata, ist das weitverbreitete Kraut, das zu den wichtigsten Arzneipflanzen zählt. Seit der Antike wird der auch sogenannte „Heilwegerich“ bei vielen inneren sowie äußeren Beschwerden eingesetzt und auch heute noch gilt er in der Volksmedizin als unverzichtbar. 2014 wurde er sogar zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Wo man Spitzwegerich findet

Die Heilpflanze stammt ursprünglich aus Europa, ist mittlerweile jedoch in weiten Teilen der Welt beheimatet. Aufgrund seiner enormen Verbreitungsgeschwindigkeit galt Spitzwegerich im Mittelalter als Zeichen des sich ebenso rasch ausdehnenden Christentums. In Amerika wurde das Heilkraut als Fußstapfen des weißen Mannes bezeichnet, da die Siedler Spitzwegerichsamen, die sich an Schuhen und Pferdehufen festgesetzt hatten, über das ganze Land verteilten. Am häufigsten wächst Spitzwegerich an Wegrändern, Waldlichtungen, Wiesen und Brachflächen. Wenn er nährstoffreiche Böden vorfindet, siedelt er sich auch auf Höhenlagen von bis zu 2000 Metern an. Von seiner Unempfindlichkeit profitiert vor allem der Mensch: „Den Wegerich hat der liebe Gott an alle Wege gestreut, in die Wiesen und Raine gesetzt, damit wir ihn stets bei der Hand haben; denn er ist das erste, beste und häufigste aller Heilkräuter“, schrieb der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle.

Wie man Spitzwegerich erkennt

Die mehrjährige, winterharte Pflanze erreicht eine eher kleine Wuchshöhe von 10 bis 50 cm. Wesentlich mächtiger ist der unterirdische Wurzelstock. Er kann bis zu 60 cm in den Boden hineinreichen. Die langen lanzettenförmigen, langen Blätter des Spitzwegerichs reichen bis zu 30 cm und sind in Form einer bodenständigen Rosette angeordnet. Auffällig sind die deutlich erkennbaren Blattrippen. Die vierkanten parallel zueinander treffen am Blattende zusammen. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis September. In dieser Zeit wird das Ende des Blütenstandes von einer Ähre gebildet, von einer Reihe von Staubfäden mit weißlichem Staubblüten sprießen.

Wirkung und Anwendung

Auf der Naturheilkunde spielt Spitzwegerich eine große Rolle, denn in dem Heilkraut enthaltene Inhaltsstoffe können zahlreiche Beschwerden lindern. Tatsächlich sind das vor allem Schleimstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe und das Glykosid Aucubin, die eine besondere Heilwirkung bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis, Atemwegskatarrh, Keuchhusten, Entzündungen in Mund und Rachen, Reizhusten, Schwellungen und Insektenstichen entwickeln. Seine Heilwirkung ist auch wissenschaftlich belegt: Spitzwegerich hilft nachweislich bei Katarrhen der Luftwege, entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei äußerlicher Anwendung bei entzündlichen Veränderungen der Haut.

Das grüne Pflaster für unterwegs

Wer sich einen kleinen Schnitt oder eine Verletzung am Wegrand zugezogen hat, ist Spitzwegerich sofort einsatzbereit. Einfach ein sauberes Spitzwegerichblatt zwischen den Fingern verreiben oder zerkauen, auf die Wunde legen und mit einem Spitzwegerichblatt fixieren. Nach einiger Zeit den verbrauchten Spitzwegerich durch frischen ersetzen.

Rezept Hustensaft

Zubereitung: 3 bis 4 Handvoll Spitzwegerichblätter in Streifen schneiden und lagenweise mit rund 500 g Zucker oder Honig in ein Schraubglas schichten. Die letzte Schicht sollte dabei aus Zucker bestehen. Anschließend verschließen und dunkel lagern. Nach zwei Monaten den entstandenen Sirup in Flaschen abfüllen, verschließen und kühl lagern. Bei Bedarf löffelweise verwenden.

Spitzwegerich in der Küche

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Heilpflanze sich auch als Nahrungsmittel gut zu nutzen. Der Geschmack von Spitzwegerich erinnert ein wenig an Pilze. Die jungen Blätter lassen sich für Wildkrautersuppen und Salate verwenden. Spitzwegerich harmoniert am besten mit Sauerampfer, Löwenzahn, Giersch und Kerbel.