Das Lungenkraut, Pulmonaria officinalis, ist als treuer Frühlingsbegleiter und Wildpflanze wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten. Die Bezeichnung „Hänsel und Gretel“ hat das Lungenkraut aufgrund seiner verschiedenfarbigen Blüten erhalten. Während die rosafarbenen noch voll Blütenstaub sind, wurden die dunkelvioletten bis blauen Blüten bereits bestäubt und haben ihren pH-Wert und somit auch ihren Farbton geändert. Dieser Farbwechsel stellt eine gute Orientierung für Bienen und Hummeln dar, die nicht bestäubte Blüten über ultraviolette Strahlung wahrnehmen.

Das Lungenkraut ist ein noch relativ junges Heilkraut, welches erst seit dem Mittelalter bekannt ist. In Aufzeichnungen der Antike ist es kaum erwähnt. Hildegard von Bingen empfahl das Kraut in ihrem Buch „Causa et Curae“ zur Behandlung diverser Lungen- und Atemwegerkrankungen. Ob es sich beim dort beschriebenen „Lungenwurz“ tatsächlich um das heute bekannte Lungenkraut handelt, konnte bislang allerdings nicht vollständig geklärt werden. Auch der italienische Arzt und Botaniker P. A. Matthioli empfahl das Lungenkraut. In seinem Kräuterbuch schrieb er es der „schwierigen Lunge“, der Wundbehandlung und der Frauenheilkunde zu.

Merkmale und Standort

Das Lungenkraut gehört zur Familie der Raublattgewächse und ist nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent verbreitet. Der wohl bekannteste Vertreter, das Gefleckte Lungenkraut, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet und kommt vor allem in ausgedehnten Laubwäldern, Wiesen, an Waldrändern vor. Mit den Lungenkräutern mitteleuropäischer Klima hat es sich bestens beim Mensch und auch noch in höchste Höhen über 1500 Metern.

Wirkung und Anwendung

Aufgrund seiner Inhaltsstoffe Allantoin, Schleimstoffe, Flavonoide, Saponine, Kieselsäure und Gerbstoffe reicht sein traditioneller Einsatzbereich von Lungenkraut von einfachen Husten bis hin zur Lungentuberkulose, die in Mitteleuropa eine wichtige Plage war. Heutzutage wird Lungenkraut nur noch selten als Heilpflanze verwendet, obwohl es bei Husten Linderung schafft. Außerlich angewandt kommt das Lungenkraut auch heute noch zur Wundheilung hinzugezogen werden. Sein hoher Allantoin-Gehalt ähnelt dem des Beinwells, weshalb die beiden Pflanzen die gleichen Anwendungsbereiche haben.

Achtsamer Umgang: Trotz der vielen positiven Eigenschaften ist ein dauerhafter Gebrauch nicht zu empfehlen. In der Schwangerschaft sollte ganz auf das Lungenkraut verzichtet werden, da hierzu keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien gibt.

Rezept Lungenkraut-Tee

Ein Lungenkraut-Tee kann sowohl pur als auch in Kombination mit anderen Kräutern in Form eines Misch-Tees genossen werden. Seine Zubereitung ist simpel: Einen Teelöffel Lungenkraut mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen und einige Minuten ziehen lassen. Anschließend absieben und drei Tassen täglich über einen Zeitraum von maximal sechs Wochen genießen.

Lungenkraut in der Küche

Lungenkraut ist kein klassisches Küchenkraut und wird meist von Kräuterkennern verwendet. Die jungen Blätter lassen sich für Wildkrautersuppen und -salate verwenden. Sie haben einen leicht bitteren, kohlrabiartig nussigen Geschmack. Lungenkraut lässt sich auch ähnlich wie Spinat zubereiten, wobei hier eher die älteren Blätter verwendet werden.