Die Linde, Tilia, war für die alten Griechen wie auch die Slawen der Baum der Göttin der Liebe. Da nicht nur ihre Blätter, sondern auch ihre Wurzeln in Herzform wachsen, war die Linde ebenso in der römischen Mythologie ein Symbol der Liebe und der Treue. Eine weniger romantische Rolle nimmt die Linde in der Nibelungensage ein: Ein Lindenblatt, das sich an der Schulter des Helden Siegfried heftete, verhinderte seine vollkommene Unverwundbarkeit, die er durch das Bad im Drachenblut erhielt. Sein Widersacher Hagen erfuhr von Siegfrieds wundem Punkt und tötete ihn. Der Mord geschah ebenso unter einer Linde.
Merkmale und Standort
Die Linde zählt zur Familie der Malvengewächse. Besonders beliebt ist sie in Städten, um Plätze und Straßen zu begrünen und für natürlichen Schatten zu sorgen. In Europa gehören die Sommerlinde, die Winterlinde und die Silberlinde zu den meist verbreiteten Arten, die sich anhand ihrer Blätter voneinander unterscheiden lassen. Jene der Sommerlinde messen zwischen 8 und 12 cm Länge, sind gleichmäßig grün, krautig und beidseitig samtig behaart. Auch die Blattstiele weisen feine Härchen auf. Auf der Blattunterseite befinden sich weiße Achselbärte, die sich im Spätsommer bräunlich färben. Die Winterlinde hingegen besitzt kleinere, etwa 4 bis 7 cm lange, ledrige Blätter, die eine hellere, blau- bis graugrüne Oberseite aufweisen. Der Blattstiel ist wie das Blatt selbst auf der oberen Seite kahl, während die Unterseite mit bräunlichen Achseln versehen ist. Die silbrigen und filzigen Blätter der Silberlinde gleichen in der Größe jenen der Sommerlinde und messen zwischen 6 und 12 cm. Alle drei Arten erreichen eine Wuchshöhe von bis zu 40 Metern und einen Stammdurchmesser von bis zu zehn Metern.
Die Linde benötigt also viel Platz und sollte keinesfalls zu nahe an Gebäude gepflanzt werden. Ihre Blütezeit liegt zwischen Juni und Juli. Die in Trugdolden hängenden Blüten verströmen einen süßlichen Duft, der nicht nur Menschen, sondern auch Bienen äußerst beliebt ist. Aus der Lindenblüte entwickeln sich kugelförmige Früchte mit Rippen.
Wirkung und Anwendung
Lindenblüten enthalten ätherisches Öl, Farnesol, Saponine, Flavonoide, Gerbstoff und Schleimstoffe. Gesammelt werden sie je nach Höhenlage zwischen Juli und August. Anschließend werden sie getrocknet und bei Beschwerden im Magen- und Darmbereich, zur Stärkung des Immunsystems sowie als harn- und schweißtreibendes Mittel eingesetzt. Wissenschaftlich laut Phytocodex belegt ist ihre Wirkung bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenem Husten. Wegen ihrer wohlduftenden Blätter wird die Linde in der ayurvedischen Medizin der Venus zugeordnet und kommt bei bronchialen Beschwerden, Keuchhusten, Asthma, Verdauungsstörungen, Nervenkrankheiten und Unruhe zum Einsatz. Auch in der Volksmedizin wird ein Tee aus getrockneten Blüten bei nervös ausgelösten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Angst gereicht. Äußerlich fördern Umschläge und Bäder aus Lindentee oder verdünnte Tinktur die Heilung von Wunden.
Rezept Lindenblütentee
Einen Esslöffel Lindenblüten mit einer Tasse Wasser aufgießen, 15 Minuten lang ziehen lassen. Danach abseihen und möglichst warm und mit Honig gesüßt trinken.
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