Das Liebstöckel, Levisticum officinale, wurde schon vor Jahrhunderten von seiner ursprünglichen Heimat Südwesteuropa in die mitteleuropäischen Gärten gebracht. Inzwischen trifft man hier und da auch verwildert an. Seinen Namen verdankt die Pflanze einem alten Volksglauben, wonach junge Frauen ihren Liebsten gewinnen, wenn sie das Kraut auf der Haut tragen. Will er trotzdem nicht so recht anbeißen, wird eine mit Liebstöckel gewürzte Speise zubereitet, was als sicheres Zeichen für baldige Liebesfreuden gilt.

Das Liebstöckel hat jedoch auch eine therapeutische Wirkung. Hildegard von Bingen setzte das Gewürzkraut zur Linderung von Husten, Bauchschmerzen und Herzproblemen ein. Und auch die alten Griechen, insbesondere Galen, Dioskurides, Plinius und Apricius, verwendeten Liebstöckel zur medizinischen Behandlung.

Merkmale und Standort

Trotz seiner südländischen Herkunft ist Liebstöckel eine mehrjährige und relativ winterfeste Pflanze, die Temperaturen von bis zu -15°C aushält. Das Würzkraut zählt zur Familie der Doldenblütler und kann bis zu 2 Meter groß werden. Die dichten knolligen Wurzelteile bringen bereits zeitig im Frühjahr kraftvolle Triebe hervor, die zuerst eine rötliche und bald darauf eine grüne Farbe annehmen. Seine Blätter sind meist hellgrün, markant gefiedert und gesägt. Auffallend ist, dass die unteren Blätter deutlich stärker gefiedert sind als die nach oben zulaufenden. Von Juli bis August bildet das Kraut gelbe bis hellgrüne Blüten, die in Doppeldolden sitzen.

Liebstöckel bevorzugt nährstoffreiche, gekalkte, lehmige und eher trockene Böden. Die anspruchslose und pflegeleichte Pflanze toleriert sowohl sonnige als auch halbschattige Lagen, wenngleich sie sonnige Standorte bevorzugt.

Wirkung und Anwendung

Liebstöckel enthält Cumarin- und Furanocumarine, ätherisches Öl, Gerbstoff, Harz und Vitamin C. Seine Wirkung als Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß sowie bei Verdauungsbeschwerden wie Aufstoßen, Sodbrennen und Völlegefühl ist wissenschaftlich belegt. Verwendet werden sowohl die Blätter als auch Wurzeln und Samen. Besonders die Wurzeln sind reich an ätherischen Ölen und krampflösenden Inhaltsstoffen, die im Trocknen nicht ihre starke Würze verlieren. Um Probleme im Bereich des Magens und Darms zu lindern – z.B. Appetitlosigkeit oder Verstopfung – werden die Blätter gegessen oder ein Tee aus getrocknetem Liebstöckelkraut getrunken. Auch in der Frauenheilkunde ist Liebstöckel bekannt: Die krampflösenden Inhaltsstoffe wirken positiv bei Menstruationsbeschwerden. Schwangere sollten auf übermäßigen Verzehr verzichten. Bewährt hat sich Liebstöckel jedoch vor allem bei Blasenentzündungen und Harnwegsinfekten – die Pflanze wirkt nicht nur entzündungshemmend, sondern auch harntreibend.

Achtsamer Umgang: Menschen mit Nierenerkrankungen dürfen eine Liebstöckel-Aufschwemmungskur nur nach Absprache mit dem Arzt durchführen.

Liebstöckel in der Küche

Das Selleriekraut, Maggikraut oder auch Lustock, wie Liebstöckel im Volksmund genannt wird, zählt zu einem der wichtigsten Würzkräuter in der europäischen Küche. Sein Aroma ist unverwechselbar und in jedem Kräutergarten einfach auszumachen. Liebstöckelblätter werden meist zur Zubereitung würziger Suppen verwendet, doch auch die Samen eignen sich hervorragend zu diesem Zweck. Sie haben zudem den Vorteil, im trockenen Zustand noch kräftig zu würzen. Liebstöckel passt sich für viele deftige Speisen wie für Fleischgerichte, Geflügel und Fisch. Zudem harmoniert es ganz hervorragend mit Knoblauch. Am ehesten Speisen sollte es jedoch erst gegen Ende der Kochvorgang hinzugefügt werden, da es ansonsten zu viel von seinem einzigartigen Aroma verliert. Getrocknetes Liebstöckel sollte immer gut verschlossen, kühl und trocken gelagert werden.

Rezept Liebstöckelwein

Eine Flasche Weißwein in ein verschließbares Glas umfüllen und eine Hand voll frische Liebstöckelblätter oder Wurzeln hinzugeben. Zehn Tage ziehen lassen, abseihen und vor den Mahlzeiten jeweils ein Schnapsglas davon trinken. Das Getränk beugt Sodbrennen, Aufstoßen und Übelkeit vor.