Die Kamille, Matricaria chamomilla, ist als Königin der Heilpflanzen bereits weit vor der christlichen Zeitrechnung bekannt, belegen zahlreiche uralte Schriften. Unter den nordischen Völkern galt sie aufgrund ihrer Anmut als Braut des Sonnengottes. Ihre Beliebtheit hat die Kamille doch vorwiegend nicht ihrem Aussehen, sondern vielmehr ihres unverwechselbaren Duftes zu verdanken.
Deshalb wurde sie in alten Zeiten auch auf den Fußboden der Kammer gestreut, wo sie durch Zertreten den Raumduft versüßte. Die Kamille wird auch „Kraut der Mutter“ genannt, denn sie half und hilft immer noch bei Schwangerschaft, Geburt, im Wochenbett und bei Säuglingskrankheiten. Von dem Wort Mutter leitet sich daher auch der erste Teil der Pflanzenbezeichnung Matricaria ab. Den kleinen weißen Blüten wurden gerade zu zauberhafte Kräfte nachgesagt: Ein Kranz aus Kamille geflochten und am Johannistag, dem 24. Juni, an der Haustür angebracht, sollte vor Donner, Blitz und Sturm schützen. Und noch heute heißt es, Kamille, die an diesem Tag gepflückt wird, soll über eine besondere Heilwirkung verfügen.
Wichtige Merkmale
Die Kamille ist eine einheimische, äußerst anspruchslose Pflanze, die auf Äckern, an Wegrändern, an Böschungen und vor allem in Getreidefeldern wächst. Sie gehört zur Familie der Korbblütler, wird bis zu 50 cm hoch und hat weiße Blüten, die von Mai bis Juni ihre Pracht zeigen. Zerreibt man sie, nimmt man den typischen, sehr aromatischen Kamillengeruch wahr.
In freier Natur findet man neben der echten Kamille auch weitere Arten, die ebenso als Kamille oder im Volksmund auch als Hundskamille bezeichnet werden. Daher gilt es, die Bestimmungsmerkmale der Echten Kamille genauer zu erlernen, denn mit Ausnahme der römischen Kamille ist sie in allen anderen verwandten Pflanzen weit überlegen.
Erntezeit und Trocknung
Die Kamille enthält Flavonoide, Terpene, Glykoside, Cumarinderivate, Fettsäuren, Kalium und ätherisches Öl. Letzteres hemmt Entzündungen, fördert die Wundheilung, löst Krämpfe und tötet Bakterien und Pilze ab. In der Naturheilkunde werden die Blütenköpfe der Echten Kamille im Juni und Juli geerntet. Die Qualität des gewonnenen Heilmittels hängt stark von der Art und Trocknung dieser Blütenköpfe ab. So funktioniert es: Die Blüten müssen möglichst gleichmäßig und rasch an einem gut belüfteten, schattigen Platz getrocknet werden. Ist der Trocknungsprozess abgeschlossen, wird die Kamille luftdicht an einem dunklen, kühlen Ort verpackt.
Wirkung und Anwendung
In der Volksmedizin kommt die Kamille umfangreich zum Einsatz. Unter anderem wird sie bei Verdauungsschwäche, Krämpfen, Magenbeschwerden, Ekzemen, Stimmungsschwankungen, Sonnenbrand, Nesselsucht, Schnitten und Verletzungen, Schleimhautentzündungen, Rheuma, Blutergüssen, Lungenhöhlenentzündungen, Erkältungen, Schlafstörungen, Hämorrhoiden, Frauenkrankheiten, Entzündungen der Bronchien und als Anti-Schuppen-Shampoo verwendet. Wissenschaftlich laut Phytocodex belegt ist ihre Wirkung bei Krämpfen, Blähungen, Appetitlosigkeit, gastrointestinalen Spasmen und entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt. Äußerlich hilft Kamille gegen Haut- und Schleimhautentzündungen, bakterielle Hauterkrankungen, Erkrankungen der Mundhöhle und des Zahnfleisches, Entzündungen im Anal- und Genitalbereich sowie bei Hämorrhoiden. Als Inhalation wird sie bei Entzündungen und Reizzuständen der oberen Luftwege verwendet.
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