Die Holunderblüte, Sambucus nigra, ist seit jeher mit Bräuchen, Aberglauben und Sagen umrankt. Ein altes Sprichwort besagt: Vor dem Holunder soll man den Hut ziehen. Aber weshalb eigentlich? Die Antwort ist wie so oft im Aberglauben zu finden, schließlich wurden der Pflanze magische Kräfte nachgesagt. Seit jeher galt Holunder als Tor in die Anderswelt sowie als Lebens- und Zauberbaum. Zudem glaubten die Menschen, Holunder würde gute Hausgeister anziehen, weshalb man ihn noch heute in der Nähe von Dörfern, auf Bauernhöfen und am Rande von Bauerngärten findet.
Der Ursprung dieses Glaubens lässt sich auf die alten Germanen zurückführen. Sie legten sogar Opfergaben unter den Strauch, in dessen Geäst sich die Göttin Holda aufhielt. Sie war es auch, die der Märchenfigur „Frau Holle“ ihren Namen verlieh. Wie viele Sagen sich um die Äste des Holunderstrauchs ranken, zeigt sich auch am Namenstag des heiligen Thomas, der am 3. Juli gefeiert wird. Lange Zeit über war dies ein besonderes Datum für junge Mädchen. Während die Abendglocken erklangen, schüttelten sie einen Holunderbusch und lauschten gespannt dem Kläffen eines Hundes. Denn aus jener Richtung, aus der das Hundegebell zu hören war, würde der Legende nach der spätere Ehemann zukommen.
Wichtige Merkmale
Holunder stammt aus der Familie der Moschuskräuter. Diese Gattung enthält knapp ein Dutzend Arten, von denen drei in Mitteleuropa heimisch sind. Der „Holunder“ oder „Fliederbusch“ bezeichnet meist den Schwarzen Holunder, einen Allrounder, der sich hierzulande fast überall ausbreitet. Weitaus seltener sind der kleine Zwerg-Holunder und der Rote Holunder. Letzterer unterscheidet sich von dem Schwarzen vor allem durch die Färbung der Beeren.
Wirkung und Anwendung
Holunder enthält Flavonoide, ätherische Öle, Rutin und organische Säuren. Die medizinische Wirkung der Blüte ist laut Phytocodex wissenschaftlich belegt. Sie hilft bei Erkältungs- und Atemwegserkrankungen, ist schweißtreibend und sekretolytisch. In der Volksmedizin werden die Blüten gegen Entzündungen, Schmerzen, Husten, Bronchialkatarrh und Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt. Außerdem sollen sie helfen, Schleim zu lösen und Sekrete abzuführen. Um diese Wirkung zu erzielen, wird Holunderblütentee gekocht und bis zu fünf Tassen am Tag genossen. Aufgrund seiner stoffwechselanregenden und schweißtreibenden Eigenschaften kann der Tee nicht nur bei Husten, sondern auch bei Rheuma- und Gichtbeschwerden lindern und gegen vielerlei Hauterkrankungen helfen. Ein Aufguss der Blüten wird gegen entzündliche Erkrankungen eingesetzt.
Rezept Holunderblütensirup
Zubereitung: Entfernen Sie die Stängel von 20 Holunderblütendolden. Danach bringen Sie 1 Liter Wasser zum Kochen und geben 1 kg Zucker hinzu. Schöpfen Sie den dabei entstehenden Schaum ab und lassen Sie das Wasser kurz weiter köcheln. Danach lassen Sie die Flüssigkeit abkühlen. Nun geben Sie den Saft einer Bio-Zitrone und die Schale der Zitrone in das Zuckerwasser. Schließlich fügen Sie noch 3 unbehandelte und in Scheiben geschnittene Zitronen hinzu. Das Ganze gut zugedeckt an einem kühlen Ort lagern und ab und zu umrühren. Nach 3 Tagen seihen Sie die Flüssigkeit ab und füllen sie in eine dunkle Flasche um.
Rezept Holunderglühwein
Zubereitung: 1 l Holunderblütensaft nehmen, 4 Nelken, 3 EL Zucker, die Schale einer unbehandelten Bio-Zitrone und eine Zimtstange hinzugeben. Diese Mischung zum Kochen bringen, anschließend abseihen und mit 1 l Wein nochmals erhitzen, allerdings nicht erneut zum Kochen bringen.
Holunderblüte zum Räuchern
Eine Räuchermischung, der dieses Heilkraut beigemischt wird, unterstützt bei der Findung der Lebensaufgaben und hilft, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen. Holunderblüten wirken schützend und werden oft bei Heilungszeremonien verwendet.
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