Der Name Picea abies der Fichte soll vom Begriff „pix“ abgeleitet sein, was so viel wie „Pech“ bedeutet und ein Hinweis auf die häufige Nutzung des in ihr verbreiteten Naturbalsams gibt. Neben der Gewinnung von Pech zur Abdichtung von Holzgefäßen hatte die Fichte ein breitgefächertes Anwendungsgebiet. Um Hexen und Blitze abzuhalten, wurden ihre Zweige an den Wänden von Stallungen angebracht. Auch die therapeutische Kraft der Fichte wurde schon früh erkannt: Um 1150 empfahl die heilkundige Nonne Hildegard von Bingen die Anwendung von Fichtenextrakten bei Kopfschmerzen, Rheuma, Gicht, Hexenschuss sowie bei Magen- und Milzbeschwerden.
Merkmale und Standort
Die Fichte ist ein weitverbreiteter Nadelholzbaum, der in manchen Gegenden als Monokultur angebaut wird. Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Europa, wo sie im Gebirge bis zur Baumgrenze gedeiht. Der immergrüne Nadelbaum erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 50 Metern und nimmt dabei die Form eines nach oben hin spitz zulaufenden Kegels an. Seine Wurzeln sind nicht tief verankert, sondern erstrecken sich nahe der Erdoberfläche – dadurch ist er anfällig für Sturmschäden.
Die immergrünen Nadeln der Fichte wachsen rund um den Zweig. Als sogenannte Maiwipferl werden die jungen, zarten Triebe bezeichnet, die man deutlich an der hellgrünen Färbung erkennt. Erst im Laufe des Jahres dunkeln diese nach und werden rauh. Die Blütezeit der Fichte liegt im Mai. Nach der Bestäubung wachsen längere, hängende Zapfen aus der weiblichen Blüten.
Wirkung und Anwendung
Im Frühjahr werden die jungen Triebe gesammelt, die reich an ätherischen Ölen, Terpentinöl, Camphen, Limonen und Gerbstoffen sind. Um dem Baum keinen Schaden zuzufügen, ist es wichtig, die Triebe äußerst sparsam und nur in kleinem Bereich zu entfernen. Harz und Nadeln werden erst während des Sommers gesammelt. Alle Baumteile werden erst getrocknet und anschließend verwertet.
In der Volksmedizin kommt die Fichte bei Erkrankungen der Atemwege zum Einsatz. Aufgrund der antiseptischen und schleimlösenden Wirkung von Maiwipferln wird dieses Hausmittel schon seit Jahrhunderten gegen Husten, Heiserkeit und Schnupfen eingesetzt. Wissenschaftlich lt. Phytocodex belegt ist die Wirkung bei katarrhalischen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege. Äußerlich kann das Extrakt bei rheumatischen und neuralgischen Beschwerden angewandt werden. Als Beigabe zum Badewasser erzielt die Fichte eine Linderung bei akuten und chronischen Erkrankungen der Luftwege und unterstützt bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen.
Rezept: Maiwipferl-Sirup
Zutaten: 1000 g Rohrzucker, 500 g Fichtenwipfel.
Zubereitung: Eine Schicht Maiwipferl in ein großes Einmachglas füllen und darauf eine Schicht Zucker geben. Die Schichten werden immer abwechselnd eingefüllt, bis das Glas voll ist. Wichtig: Die Wipfelschicht muss doppelt so dick wie die Zuckerschicht sein. Die oberste und unterste Schicht besteht aus Zucker. Das Glas mit einem Stück Leinen verschließen und auf einen sonnigen Fensterplatz stellen. Nach rund zwei Wochen bildet sich brauner Sirup, der gefiltert und in Flaschen umgefüllt wird.
Fichtenharz als Räucherwerk
Lange Zeit bevor die Harze von Weihrauch und Myrrhe in den mitteleuropäischen Raum gelangten, wurde das Harz der Fichte zu besonderen Anlässen geräuchert. Um den Baum nicht zu schädigen, wird das Harz an bereits verwundenen Stellen gesammelt. Wichtig: Die Baumwunde muss bereits verheilt sein – erkennbar an der Optik des Harzes. Dieses sollte eine harte Konsistenz mit einer grauen Färbung im äußeren Bereich sowie eine bis rosa Färbung im inneren Bereich aufweisen. Wer nicht selber sammeln möchte, kann in Apotheken bereits gereinigtes Burgunderharz bestellen. Seine energetische Kraft reicht jedoch nicht an das ungereinigte Harz aus der Wildsammlung heran.
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