Der Borretsch, Borago officinalis, ist heute meist in Gärten zu finden, kommt aber manchmal auch verwildert vor. Von seiner Heimat Kleinasien aus kam Borretsch schon im Altertum über Griechenland nach Südeuropa und später auch nach Mitteleuropa, zuerst in die Klostergärten. Im Stift Admont wurde die Pflanze nicht bloß als Frühjahrsgemüse, sondern auch als Heilkraut geschätzt.
Ein handschriftliches Rezept aus der Barockzeit zeugt davon: „Wer unter häufiger Verstopfung leidet, der lasse sich Borretsch, Spinat und Bingelkraut in fetter Fleischbrühe sieden, mit Mandelöl oder frischer Butter gekocht, und esse als erstes vor dem Essen davon. Solches Mus hält den Leib offen!“ Im Kräuterbuch des berühmten italienischen Arztes und Botanikers P. A. Matthioli wurden die Borretschblüten im frühen 16. Jahrhundert bei hohem Fieber empfohlen. Dazu wurden die Blüten zusammen mit Zucker in einem Mörser zerstoßen und pur gegessen. Samen, Wurzeln und Blätter der Pflanze dienten in Kombination mit einem Arzneiwein zur Entgiftung. Die Blätter selbst setzte man pur oder gekocht zur Leberreinigung ein. Jedoch sind viele der damaligen Anwendungen wissenschaftlich nicht haltbar und werden daher auch nicht mehr empfohlen.
Wie man Borretsch erkennt
Die einjährige Pflanze gehört zur Familie der Raublattgewächse. Beim Borretsch ist dieser Name Programm, denn seine lateinische Bezeichnung lässt sich in etwa mit „raues Gewebe“ übersetzen. Dieses zeigt sich im behaarten Stängel und den ebenso stark behaarten, ovalen Blättern. Die bis zu 50 Zentimeter hohe Pflanze trägt blau bis violette Blüten, die in ihrer Zartheit in einem deutlichen Kontrast zu den dicken, behaarten Blättern stehen. Die Ästhetik dieser Blüten und der Sternform hat dem Borretsch den nicht ganz ungeläufigen Namen „Himmelsstern“ eingebracht. Vergleichbar mit einem Chamäleon verändert sich die Farbe seines Blüten je nach Entwicklungsstand zuerst zart rosa und wechseln dann in ein strahlendes Blau ab. Der Grund hierfür liegt am sich ändernden pH-Wert.
Wirkung und Anwendung
Borretsch enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe, Harz, Saponin, Kalisalpetersitrat, Kieselsäure, Fettsäuren und ätherische Öle, Pyrrolizidinalkaloide sowie Vitamin C in kleiner Menge. In der Naturheilkunde wird das entzündungshemmende Heilkraut gegen Erkältungskrankheiten, Husten und Heiserkeit eingesetzt. Borretsch hat zudem eine schweißtreibende, entgiftende und entzündungshemmende Wirkung, die ihn auch bei Fieber, Hautausschlägen, rheumatischen Beschwerden und zur Wundheilung hilfreich werden lässt. Auch wirkt er sehr beruhigend, weshalb er auch bei Schlafstörungen und Unruhe eingesetzt wird. Im Mittelalter wurde Borretsch bereits als Kraut gegen Melancholie beschrieben – die Pflanze bringt Erleichterung, frohen Mut und Zuversicht in schwierigen Zeiten.
Als Spätblüher hat die Pflanze jedoch nicht nur einen heilkundlichen, sondern auch einen ökologischen Nutzen. Sie versorgt Bienen, Hummeln und andere Insekten auch dann noch mit Nahrung, wenn die meisten Pflanzen bereits abgeblüht sind.
Borretsch in der Küche
Viele Kräuter haben einen typischen und unverwechselbaren Geschmack. Bei verbundenen Augen ist die Unterscheidung leicht, nur ein einziges Kraut wird man mit verbundenen Augen glaubhaft für ein Gemüse halten: Borretsch ist sein ausgeprägter Geschmack nach frischen grünen Gurken, der sich hervorragend in Salaten oder als Brotaufstrichen macht. Kein Wunder also, dass Borretsch bereits seit langer Zeit als Küchenkraut verwendet wird. Der frische Duft und das leicht säuerliche Aroma entfalten sich bereits beim Zerreiben eines Blattes zwischen den Fingerspitzen. Hierbei sollten stets frische Blätter verwendet werden, da die Pflanze im trockenen Zustand rasch ihr Aroma verliert.
Ein leichter Snack zwischendurch: Gurkenkraut und eine Prise Salz und Pfeffer auf ein Butterbrot geben und genießen. Die Blüten eignen sich zudem hervorragend zum Dekorieren der Speisen.
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