Die Birke, Betula alba, ist heutzutage als Heilpflanze fast in Vergessenheit geraten. Dabei war Birkenblättertee ein fester Bestandteil der Volksheilkunde im Mittelalter. Zu dieser Zeit wurde die Birke auch als Schutzpflanze verehrt, weswegen die Wiege von Kleinkindern oft aus Birkenholz hergestellt wurde. Der Überlieferung nach soll der Baum sogar die Macht haben, Blitze abzuwehren.
Der Glaube an die Kraft der Birke reichte sogar bis nach Russland. Dort schmückte man sie mit roten Bändern als Schutz vor dem bösen Blick. In manchen Landkreisen hat die Birke auch heute noch Symbolkraft. Ihre zartweiße Rinde wird in der Volkstradition mit Liebes- und Fruchtbarkeitsriten in Verbindung gebracht – wie etwa beim sogenannten „Birkenstecken“. Dazu stellt ein Mann eine junge Birke vor das Haus der Angebeteten, um so seine besondere Zuneigung zum Ausdruck zu bringen.
Besonders beliebt war die Birke auch bei den Indianern, Goldsuchern und Waldläufern. Ihnen diente sie zwar nicht als Zauberbaum, sondern vielmehr als Notration in besonders harten Zeiten. Die innere Baumrinde enthält viel Zucker, Öl und Vitamin C. Durch das Zerschneiden, Trocknen und Pulverisierung konnte Birkenmehl hergestellt werden, woraus eine Art Pfannkuchen gebacken wurde.
Erkennungsmerkmale und Besonderheiten
Die Birke wächst bis in skandinavische Höhen, weshalb sie als Baum des Nordens gilt. Doch auch in unseren milderen Breiten ist sie heimisch. Sie bis zu 25 m hoch mit ihrem rhombischen Blättern und dem weißen Stamm wird als „Frühlingsbaum“ bezeichnet. Grund dafür ist die frühe Blütezeit von März bis April. Die unscheinbaren Blüten sind lang und wohlriechend. Sie hängen an der Spitze langer Triebe. Die männlichen Blüten haben die Optik von kleinen grünen Zapfen und wachsen ans Ende der kurzen Seitenzweige. Erst stehen sie aufrecht, später hängen sie.
Wirkung und Anwendung
Die Birke enthält Saponine, Gerbstoffe, ätherische Öle, Harz, Flavonoide, Glykoside und Vitamin C. In der Naturheilkunde verwendet man vor allem die jungen Knospen sowie die Rinde, den im Frühling gesammelten Saft und die von Mai bis August gesammelten Blätter. Letztere sind vor allem von medizinischer Bedeutung. Der aus dem Stamm gewonnene Birkensaft wird bei Haarausfall und als Potenzmittel eingesetzt. Die effiziente Wirkung von Birkenextrakten und die Durchspülung der Harnwege wurde bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen sowie bei Nierengries laut Phytocodex wissenschaftlich belegt. Da die Birke auch die Harnmenge erhöht, wird sie ebenso zur Behandlung von Harngrieß wie zur Vorbeugung von Harnsteinen eingesetzt. Anerkannt ist der Einsatz bei rheumatischen Beschwerden.
Rezept Birkentee
Ein Tee aus den Blättern und Blattknospen der Birke wirkt harntreibend und unterstützt die Behandlung gegen Rheuma, Gicht und andere Stoffwechselerkrankungen.
Zubereitung: Zwei Esslöffel zerstoßene Birkenblätter in eine große Tasse füllen. Mit 300 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen, anschließend abseihen und nach und nach trinken.
Wichtig: Es sollten täglich nicht mehr als eine große Tasse Birkenblättertee getrunken werden, da der harntreibende Effekt bei Überdosierung den Körper belasten kann. Eine Kur mit Birkenblättertee sollte über die Dauer von drei bis maximal vier Wochen erfolgen.
Birkenanwendung bei Rheuma
Die Birke harmoniert mit allen flexiblen und nach Bewegung strebenden Menschen. Wird diese Personengruppe von rheumatischen Beschwerden befallen, hilft das Birkenblatt – entweder in Kopfkissen verteilt, das im Juni gesammelte getrocknete Birkenblätter enthält.
Tipp: Eine Salbe aus Birkenteer kann zur Behandlung gegen Schuppenflechte oder Ekzeme eingesetzt werden. Bei Haarausfall und Schuppen ist ein Shampoo aus Birkenholzteer und Schwefel geeignet. Entsprechende Produkte sind in gut sortierten Reformhäusern wie in Apotheken erhältlich.
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