Der Beifuß, Artemisia vulgaris, gehört zu den ältesten Schamanenpflanzen Europas. So alt wie die magische Praxis des Räucherns selbst, ist auch die rituelle Verwendung von Beifuß – nachweislich seit der Steinzeit. Denn wie der Holunder ist auch der Beifuß eine der ersten Pflanzen, die nach der Eisschmelze die freigegebenen Kaltsteppen besiedelten. Jene Menschen, die am Rande der Gletscher Jagd auf Mammuts und Rentiere machten, kannten das graue, herbwürzige Kraut gut. Sicherlich verwendeten sie Beifuß so, wie man es noch heute auf der nördlichen Halbkugel tut: Sie räucherten, um Geister und negative Einflüsse zu vertreiben, und sie benutzten die Pflanze in der Geburtshilfe und Frauenheilkunde.

Wie man Beifuß erkennt

Besenkraut, wie Beifuß im Volksmund genannt wird, wächst an Wegrändern und Geröllplätzen. Das Gewächs der Gattung Artemisia gedeiht vor allem auf stickstoffhaltigen Böden und kann als Indikatorpflanze für nährstoffreiche Standorte dienen. Dort wo Beifuß auftritt, ist er meist in großer Anzahl zu finden. Beifuß hat einen harten Stängel mit vielen Ausläufern. Diese rispigen und verästelten, unten verholzten, rötlich bis bräunlich gefärbten Stängel tragen lanzettförmige Blätter, die auf der Oberseite dunkelgrün und kahl sind. An der Unterseite tragen sie kleine Härchen und sind leicht filzig. Der Duft der Blätter wirkt aufbauend und erfrischend.

Wirkung und Anwendung

Beifuß gehört zur Gattung Artemisia, die mit mehr als 400 Arten zählt und ist mit anderen Kräutern wie Eberraute, Estragon oder Wermut verwandt. Obwohl Beifuß sich wie ein Küchenkraut eignet und dabei eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreicht, wird er vor allem als wertvolle Heilpflanze wahrgenommen. So wird er in der Volksmedizin beruhigend, antibakteriell, blutreinigend, durchblutungsfördernd, appetitanregend, sehr aromatisch und verdauungsfördernd. Er enthält Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide und ätherische Öl wie Cineol, Kampfer und Thujon. Laut Phytocodex regt Beifuß die Speichel- und Magensaftsekretion an und wirkt verdauungsfördernd.

Achtsamer Umgang: Beifuß darf weder überdosiert noch bei Fieber oder in der Frühphase einer Schwangerschaft eingesetzt werden. Bei manchen Menschen kann er allergische Reaktionen wie Asthma-Anfälle auslösen. Besonders sensible Nasen empfinden den Geruch der Pflanze als zu kräftig. Hier empfiehlt sich eine Anwendung in nur geringen Mengen.

Beifuß in der Küche

Sein bitterer, aromatischer und holziger Geschmack zeichnet Beifuß als hervorragendes Gewürzkraut aus. Vor allem im getrockneten Zustand eignet sich Beifuß am besten für fettreiche und schwer verdauliche Gerichte.

Rezept Beifußwein

Beifuß wirkt lindernd bei Verdauungsstörungen – das wusste schon Hildegard von Bingen.

Zubereitung: Um Beifußwein herzustellen, mischt man 20 g Beifuß-Blätter mit etwas Pfefferminze und Rosmarin. Diese Mischung wird mit 0,75 l süßem Wein übergossen. Anschließend einige Tage in einem verschlossenen Gefäß ziehen lassen, abseihen und vor der Mahlzeit ein Likörglas trinken.

Beifuß als Räucherwerk

Da die Pflanze häufig an unreinen Orten – wie Schutthalden, Bahndämmen und Straßenrändern – wächst, wird ihre Kraft oft unterschätzt. Zu Unrecht: Beifuß, der an Plätzen angebaut wird, die Elektrosmog ausgesetzt sind, schafft es, Strahlen aufzunehmen und zu neutralisieren. Diese Eigenschaft macht ihn zu einer der wichtigsten Räucherkräuter. Seine Anwendung erlaubt Veränderungen im Leben, stärkt das Weibliche und die Intuition und fördert den Prozess des Trauerns sowie des Loslassens. Schon bei den germanischen Medizinmännern galt er als wichtiges Räucherwerk beim Übergang der Jahre. Heute ist Beifuß fixer Bestandteil der Räucherwischung, mit der in den Raunächten und zur Wintersonnenwende Haus und Stall geräuchert werden.