Der Wiesen-Bärenklau, Heracleum sphondylium, galt früher als heißgeprüftes Aphrodisiakum. Heute wird er aus vielerlei Zwecken eingesetzt – vom leckeren Mittagessen bis hin zur therapeutischen Unterstützung.

Merkmale und Standort

Die Bärentatze, wie der Wiesen-Bärenklau im Volksmund bezeichnet wird, zählt zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler. Seine Heimat ist Mitteleuropa, wo er auf Fettwiesen und Staudenfluren, an Ufern und in Gräben, in Auenwäldern und deren Säumen wächst. Dabei bevorzugt er lockeren, feuchten Boden, auf dem er bis zu 1,50 Meter in die Höhe wächst.

Die zwei- oder mehrjährige Pflanze besteht aus einer Rosette mit großen, gefingerten oder tief geteilten Blättern in Bodennähe. Im Juni treiben kantige, verzweigte Stängel aus, an denen sich große weißliche Dolden entwickeln. Bestäubt werden sie von Fliegen und Käfern. Nach der Blütezeit entwickeln sich geflügelte Samen. Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis September.

Wirkung und Anwendung

In der Volksmedizin kommen Kraut, Knospen, Samen und auch die Wurzeln zum Einsatz. Diese Pflanzenteile enthalten ätherische Öle, Furocumarine, Fettsäuren, Bitterstoffe, Eiweiß, Kalzium, Magnesium, Vitamin A und C. Aufgrund seiner schleimlösenden und entzündungshemmenden Wirkung wird Wiesen-Bärenklau bei Husten und sogar bei asthmatischen Beschwerden eingesetzt. Ein weiterer Vorteil: Er stärkt die Verdauungsorgane, lindert Blähungen und Durchfall. Darüber hinaus wird Wiesen-Bärenklau auch gegen Blasenentzündungen sowie Nierensteine und sogar gegen Bettnässen eingesetzt. Kraut wie Wurzeln werden sowohl als Tee als auch in Form einer Tinktur angewendet.

Achtung: Bei Menschen mit sensibler Haut kann der Umgang mit der Pflanze zu allergischen Reaktionen führen.

Vorsicht Verwechslungsgefahr

Sammeln sollte man das Heilkraut allerdings nur dann, wenn man sich absolut sicher ist, dass keine Verwechslung vorliegt. Denn Wiesen-Bärenklau ähnelt dem Riesen-Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt. Dieser Doppelgänger ist extrem giftig: Trifft Pflanzensaft auf die Haut, verursacht er Rötungen und Blasenbildungen, sobald die betroffene Hautstelle dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Diese phototoxische Reaktion kann schwere Wunden hervorrufen, die nur langsam heilen. Nicht umsonst wurde Riesen-Bärenklau 2008 zur Giftpflanze des Jahres gekürt.

Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der extreme Größenunterschied. Im Gegensatz zum Wiesen-Bärenklau, der eine maximale Wuchshöhe von 1,50 Metern erreicht, kann der Riesen-Bärenklau bis zu 4 Meter in die Höhe wachsen. Auch der Durchmesser der Stängel ist weit massiver – er kann bis zu zehn Zentimeter dick werden und weist sichtbar rote Flecken auf. Wer ein Riesen-Bärenklau-Exemplar auffindet, sollte den Standort unverzüglich der zuständigen Gemeinde oder der Berg- und Naturwacht melden.

Tipps zur Zubereitung

Wiesen-Bärenklau ist äußerst aromatisch und vielseitig zubereitbar. Er enthält viel Vitamin C, Kalzium, Magnesium und weitere Mineralien. Im Frühjahr werden die noch jungen Blätter als Salat oder als Smoothie genossen – eine wahre Vitamin-C-Bombe mit Magnesium-Kick. Wenn es einmal nicht roh sein soll, werden die Blätter als Gemüse zubereitet, dem Palatschinkenteig beigemischt oder in Kombination mit weiteren Wildkräutern zu Pesto verarbeitet. Getrocknet eigenen sich die Blätter als Gewürz für Salate und Gemüsegerichte. Die Knospen können wie Spargel zubereitet werden. Im Winter kann die krenartig-scharfe Wurzel geerntet, gerieben und als Gewürz verwendet werden.

Rezept: Russischer Spargel

Zutaten & Zubereitung: Bis einschließlich Juli können die Blattstiele verwendet werden. Sie werden kurz in Wasser gegart und anschließend in Butter geschwenkt. Pfeffer und Salz zugeben und 5 bis 10 Minuten in der Pfanne erhitzen, bis die Stiele weich sind. Mit Zitronen- oder Limettensaft anrichten und wie Spargel servieren.

Wichtig: Die Blattstiele müssen geerntet werden, bevor sich die Blätter zur Gänze entfaltet haben.